Politik
Immer mehr Bundestagsabgeordnete im öffentlichen Dienst
Gemessen an den insgesamt rund 41 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland, von denen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes rund elf Prozent ausmachen, ist diese Gruppe damit überdurchschnittlich stark vertreten. "Beschäftigte im öffentlichen Dienst haben den Vorteil, dass sich eine Beurlaubung leichter organisieren lässt", sagte Frank Zitka vom Deutschen Beamtenbund der "Welt am Sonntag". "Für kleinere Firmen, wie eine Autowerkstatt mit zwei Mechanikern, ist das schlicht nicht praktikabel." Noch größer ist die Diskrepanz bei den Rechtsanwälten und Notaren. Derzeit praktizieren in Deutschland nach Aussage der Anwaltskammer rund 160.000 Anwälte. Aus dieser Berufsgruppe sitzen 80 Vertreter im neuen Bundestag. Ihre Zahl hat sich seit 1961 mehr als verdoppelt. Im Gegenzug ist etwa die Zahl der Abgeordneten aus der Land- und Forstwirtschaft deutlich gesunken. Saßen 1961 noch 52 im Bundestag, so sind es heute gerade mal 15. Dabei ist der neue Bundestag mit 630 Abgeordneten deutlich größer als das vor 52 Jahren gebildete Parlament, in das nur 499 Abgeordnete gewählt wurden. Damals stellten die Landwirte mehr als zehn Prozent der Parlamentarier, heute sind es noch rund 2,4 Prozent. "Die Landwirtschaft ist unterrepräsentiert", sagt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Da sei es schwierig, eine gute Politik für die landwirtschaftlichen Unternehmer und deren Familien und Mitarbeiter zu machen. Stetig gesunken ist auch der Anteil der Unternehmer an den Abgeordneten. Vor 52 Jahren saßen noch 71 im Bundestag. Heute sind es lediglich 35. Die Stiftung Familienunternehmen kritisierte dies. "Die politische Führung einer Industrienation wie Deutschland braucht die Erfahrung und das Wissen der Unternehmer", sagte Vorstand Brun-Hagen Hennerkes. Künftig liege der Anteil der Unternehmer an den Parlamentariern mit 7,5 Prozent deutlich niedriger als ihr Anteil an den Erwerbstätigen insgesamt.
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